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Die Treffen des Arbeitskreises von "SOA" finden jeden dritten Montag im Monat ab 20:00 Uhr in der Steingasse 12 - Treysa (Ehem. Ladenlokal gegenüber Gaststätte Specht) statt. Hierzu sind alle Mitglieder und Sympathisanten von Schwalm ohne Autobahn e.V. eingeladen.

Näheres über Treffpunkt und Ort ist über den Vorstand zu erfahren.

Vorsitzender:
Jörg Haafke

info(at)schwalmohneautobahn.de
< Die Entlastungswirkung der A 49 steht in Frage

Erläuterungen zum Verkehrskonzept Schwalm-Ohm


Die Bürgerinitiativen, die den Bau den A 49 wegen der anerkannt schweren Schäden, die sie verursacht, ablehnen (die vom Land Hessen beauftragten Gutachter der Umweltverträglichkeitsstudie hatten ja empfohlen, die Autobahnpläne aufzugeben), haben seit über 30 Jahren immer wieder auf die aus ihrer Sicht möglichen und nötigen Alternativen hingewiesen.

Alle entsprechenden Bemühungen sind bis zum jetzigen Zeitpunkt blockiert worden (u.a. öffentliche Angebote für eine gemeinsame Erarbeitung eines verantwortbaren Verkehrskonzepts wie in der “Neustädter Erklärung” vom 19.9.1990; Gespräche mit der IHK Kassel und die Vorlage eines alternativen Verkehrskonzepts im Rahmen der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplans).

Zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit den Planungsgrundlagen für den Autobahnbau gehört auch eine kritische Beschäftigung mit dem Instrument der Nutzen-Kostern-Analyse. Wir empfehlen den entsprechenden Text ihrer Lektüre. Aus ihm wird deutlich (eine Auffassung, die auch von vielen, wenn nicht den meisten, Verkehrswissenschaftlern geteilt wird), dass dieses Bewertungssystem, das eine maßgebliche Rolle im Bundesverkehrs-wegeplan spielt, auf tönernen Füßen steht.

Dass man sich inhaltlich nicht mit Alternativen zum Bau der A 49 beschäftigt, wird z.B. aus der Stellungnahme des Amtes für Straßen- und Verkehrswesen Marburg vom 29.10.2010 (Seite 8) zur Einwendung der Botanischen Vereinigung für Naturschutz in Hessen deutlich: “Die von Ihnen als Planungsalternative bezeichneten Ortsumgehungen entsprechen nicht dem Planungsauftrag für die HSSV”. (Die Reduzierung auf Ortsumgehungen ist natürlich eine grobe Vereinfachung unseres Konzepts.) Diese Aussage bedeutet de facto, dass über das vorliegende Verkehrskonzept “Schwalm – Ohm” bei Planungsbehörden bestenfalls bei einem Scheitern der Autobahnpläne diskutiert würde. Unter solchen Voraussetzungen ist es natürlich außerordentlich schwer, sinnvollere und billigere Lösungen zu finden. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder scheitert die A 49 aus rechtlichen oder finanziellen Gründen oder eine andere politische Mehrheit formuliert andere Ziele.

 

Das Verkehrskonzept “Schwalm – Ohm” unterscheidet sich in einem zentralen Punkt von der Autobahnplanung A 49: Es bietet keinen Ersatz für den Autobahnverkehr auf A5 / A7 an. Nach Aussage der Planungsbehörden wäre in der überregionalen Beziehung die Strecke über die A 49 11,5 km kürzer als über A5 / A7. Deshalb rechnet man mit einem Verlagerungs-verkehr von 23 500 Kfz/Tag von A5 / A7 auf die A 49.

Die erwarteten Belastungszahlen auf der A 49 werden jetzt um ein Drittel niedriger als ursprünglich angegeben. Das spiegelt eine grundsätzliche Revidierung in der erwarteten Verkehrsentwicklung auf der Straße wieder. Da in Kürze für die Verbindung Frankfurt-Kassel auch der Straßenzug A66 / A 7 zur Verfügung steht, ist eine dritte Autobahnführung für diese Verbindung unnötig, zumal sie in ihrer Auswirkung auf Mensch und Natur überaus problematisch ist.

Die vorgelegte Konzeption ist ein Denkmodell, das in Gesprächen mit Bürgern, Kommunen und Fachbehörden weiterentwickelt werden muss. Wir halten z.B. bei der Frage einer Ortsumgehung das Votum der betroffenen Gemeinde für außerordentlich wichtig.

In diesem Verkehrskonzept sind auch Lösungsvorschläge für Probleme enthalten, die unabhängig von der A 49 gelöst werden müssen. An einem Beispiel sei dies verdeutlicht: Die Ortsdurchfahrten Hebel und Unshausen (bei Homberg/Efze) wären nach Prognosen der Planungsbehörden im Jahr 2020 mit mehr als 12 000 Kfz/Tag belastet. Ein Bau der A 49 würde die Ortsdurchfahrten um 500 Kfz/Tag entlasten. Diese Entlastung wird z.B. im Ausnahmeverfahren gegenüber der EU-Kommission angeführt, obwohl eine Ortsumgehung erforderlich bleibt. Eine Ortsumgehung dieser beiden Orte würde allein 23,6% der Entlastungen in Ortsdurchfahrten bewirken, die im Ausnahmeverfahren von der deutschen Seite der A 49 insgesamt zugeschrieben werden! Dabei gibt es die behauptete Entlastungs-wirkung überhaupt nicht, wie dem Blatt “Entlastungswirkung der A 49” zu entnehmen ist.

Durch den Bau der A 49 würden Bahnbenutzer der Main-Weser-Bahn auf die Straße gelockt. Das widerspricht allen grundsätzlichen Bemühungen, Emissionen zu reduzieren. Wir plädieren dafür, die Main-Weser-Bahn auch für den Güterverkehr attraktiver zu machen.

Ein zentrales Ziel des Alternativkonzeptes ist es, mit Menschen, Landschaft und Natur rücksichtsvoller umzugehen. Drei Vorschläge, die größere Straßenstücke betreffen, sind in diesem Zusammenhang hier zu erläutern:

1.      Der Zwangspunkt Bischhausen verhindert andere mögliche Alternativen. Die Verbindung von Bischhausen zum Gewerbegebiet Schwalmstadt soll a) den Schwerlastverkehr von dort ohne Ortsdurchfahrt auf die Autobahn führen und b) verhindern, dass man aus dem Bereich Schwalmstadt durch Schwalmstadt hindurch die Auffahrt auf die A 49 suchen muss. Es sei daran erinnert, dass bei einem Bau der A 49 der Verkehr auf der B 454 in Treysa nach den Prognosen der Planfeststellungs-unterlagen um 10 000 Kfz/Tag zunehmen würde.

2.      Die gemeinsame Ortsumgehung von Neustadt und Wiera verursacht deutlich weniger Schäden als die im Verlauf ähnlich geplante A 49. Sie ermöglicht eine Sperrung der jetzigen B 454 zwischen Neustadt und Wiera für den Kraftfahrzeugverkehr (mit Ausnahme des Anliegerverkehrs für einen Hof). Dieser Straßenbauabschnitt kann somit teilweise zurückgebaut und eventuell als Fahrradweg benutzt werden.

3.      Der Anschluss an die Autobahn A 5 (südlich Lehrbach) führt wie die geplante Führung der A 49 dazu, dass die jetzige Bundesstraße zwischen Lehrbach und Alsfeld fast nur noch von Ziel und Quellverkehr befahren wird. Sie ist gegenüber der geplanten Autobahnführung in der Relation Stadtallendorf – Alsfeld sogar um 2 km kürzer. Während im Verkehrskonzept Schwalm – Ohm nur bei Erbenhausen (Ortsumgehung) größere Eingriffe in die Landschaft erforderlich sind (der Rest orientiert sich weitgehend am bisherigen Straßensystem), stellt die Autobahn mit ihrer völlig neuen Trasse eine Landschaftszerstörung gewaltigen Ausmaßes dar. Sie greift in ein Wasserschutzgebiet und in ein Natura-2000-Gebiet ein, durchschneidet ein naturnah bewirtschaftetes Waldgebiet mittig, zerstört Erholungsbereiche zwischen Stadtallendorf und Niederklein und führt in einem Halbkreis um Homberg/Ohm-Maulbach.

Die deutlich geringeren Kosten für das Verkehrskonzept Schwalm-Ohm ziehen auch in Zukunft geringere Unterhaltungskosten nach sich als der Bau der Autobahn. Mit jedem Jahr steigen ja prozentual die Mittel, die erforderlich sind, um das bestehende Straßennetz zu erhalten. Jede neugebaute Autobahn ist somit auch eine Hypothek für die uns nachfolgenden Generationen.